Schattenfiguren

Im Schattentheater werden Figuren, Gegenstände oder Körperteile zwischen einer Lichtquelle und einer Projektionsfläche bewegt. Das Publikum sieht das projizierte Bild, nicht unbedingt die Figur, die es erzeugt. Der Abstand zwischen Licht, Objekt und Schirm verändert Größe, Schärfe und Verzerrung des Schattens.

Die Silhouetten können undurchsichtig, durchscheinend oder farbig sein. Sie werden unter anderem aus Leder, Papier, Karton oder Acetat gefertigt und häufig mit Stäben gelenkt. Daher stimmt die Behauptung nicht, Schattentheater kenne „keine Farbe“. In mehreren asiatischen Traditionen werden durchbrochene, bemalte Häute verwendet, durch die das Licht teilweise hindurchscheint.

Die Forschung erlaubt es nicht, dem Schattentheater einen einzigen Ursprung zuzuschreiben. China, Indien, Indonesien und weitere Regionen Asiens verfügen über alte Traditionen, deren Chronologien und historische Beziehungen vielschichtig sind. Sachgerechter ist es deshalb, von mehreren belegten Traditionen zu sprechen, statt Vermutungen als Tatsachen auszugeben.

Eine der bekanntesten Formen ist das indonesische Wayang Kulit. Der dalang führt die Figuren und leitet eine musikalisch begleitete Aufführung, deren Stoffe aus dem Ramayana, dem Mahabharata und lokalen Überlieferungen stammen können. 2008 nahm die UNESCO das Wayang-Puppentheater in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

Eine weitere bedeutende Tradition ist Karagöz, das türkische Schattentheater um den komischen Gegensatz zwischen Karagöz und Hacivat. Die UNESCO nahm diese Form 2009 in ihre Liste auf. In Europa wurden die als ombres chinoises oder chinesische Schatten bekannten Aufführungen im 18. Jahrhundert populär. Dominique Séraphin zeigte solche Vorstellungen seit den 1770er-Jahren in Versailles und Paris.

Auf heutigen Bühnen verbinden sich handgefertigte Silhouetten mit Projektoren, Video, transparenten Materialien, Alltagsgegenständen und den Körpern der Darsteller. Auch wenn sich die Technik verändert, bleibt das Grundprinzip gleich: Licht und räumliche Beziehung zwischen Quelle, Figur und Projektionsfläche werden gezielt gesteuert.

Kurz gesagt: Schattenfiguren erzeugen Personen und Handlungen als Silhouetten oder Bilder auf einer beleuchteten Projektionsfläche.

2 Werke

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