Bunraku-Technik

Das heutige westliche Theater hat ein besonders augenfälliges Prinzip des japanischen Bunraku aufgegriffen: Mehrere Spieler können gemeinsam eine einzige Figur beleben, ohne den Vorgang der Führung vollständig zu verbergen. Diese Arbeitsweise begegnet vor allem bei Ganzkörperpuppen und Großfiguren. Je nach Konstruktion führt eine Person Kopf, Mund und eine Hand, während eine zweite den anderen Arm oder die Beine übernimmt. In anderen Inszenierungen steuert ein einzelner Spieler mit Händen, Armen, Füßen und Körperstützen mehrere Teile der Figur.

Dass die Spieler sichtbar sind, macht eine Aufführung jedoch nicht zu japanischem Bunraku. Ningyō Jōruri Bunraku ist eine eigenständige Theaterform mit Jōruri-Erzählung, Shamisen-Musik, überliefertem Repertoire, einer langen Ausbildung und spezifischen Bühnenkonventionen. Westliche Produktionen übernehmen meist nur einzelne Grundsätze der koordinierten direkten Führung.

Dasselbe Prinzip wurde für Film und Fernsehen angepasst. Eine, zwei oder drei Personen können Kopf, Arme, Hände, Rumpf und Beine einer Ganzkörperfigur gleichzeitig bewegen. Bei Dreharbeiten vor einem Chroma-Hintergrund tragen die Spieler mitunter Anzüge in dessen Farbe und verwenden Stäbe oder andere Hilfen, die später digital entfernt werden. Die Figur behält dadurch ihre reale Bewegung und den physischen Kontakt mit dem Bühnenbild, während die Spieler im fertigen Bild nicht mehr zu sehen sind.

Im Westen wird für solche Verfahren häufig der Ausdruck „Bunraku-Technik“ verwendet, sowohl bei offen sichtbarer Führung auf der Bühne als auch bei Anpassungen für die Kamera. Die Bezeichnung verweist auf den japanischen Einfluss, macht diese Produktionen aber nicht zu traditionellem Bunraku. Je nach Zusammenhang sind vom Bunraku angeregte direkte Figurenführung oder koordinierte Mehrpersonenführung die genaueren Begriffe.

Kurz gesagt: Die westliche Bühnen- und Bildschirmarbeit nutzt häufig eine vom Bunraku angeregte, koordinierte Führung durch mehrere Personen. Sie ist eine Adaption einzelner Spielprinzipien und nicht mit dem japanischen Ningyō Jōruri Bunraku gleichzusetzen.

3 Werke

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